Bauentraditionen in der Ukraine

  • Ortswahl für das neue Haus

    Die Wahl des Ortes war eine der wichtigsten Handlungen, die mit Volkswohnhäusern verbunden waren. Für die Lösung dieser Frage beachtete man viele Faktoren: Entlegenheit des Wohnhauses von der Straße, Landschaft, Lage des Hauses in bezug auf Weltseiten usw. Der Komplex von Ritualismus, der mit dem Wohnhäuserbau verbunden war existiert heute nur als einige abgesonderten Elemente und ist üblich für einen kleinen Teil der Einwohner von Dörfern.

    Für das neue Haus versuchte man so einen Ort zu finden, der einer Reihe der Anforderungen entsprechen sollte. Die sind:

    • Der Ort sollte „ruhig“ sein, also eine gute Landschaft haben
    • Das sollte ein Hügel sein
    • Dort sollte es keinen Tau und keine Bäume geben
    • Wo man seine Wirtschaftsgebäude bauen konnte
    • Der Eingang ins Haus sollte im südlichen oder östlichen Teil des Hauses sein
    • Dort sollte einmal das Vieh leben
    • Das sollte der Ort mit einer bequemen Anfahrt sein, wo die Wirtschaftsgebäude und Gemüsegarten nah dem Fluß sein konnten

    Man hatte in der Ukraine auch viele Verbote für den Bau des neuen Hauses. Mann durfte kein neues Haus bauen:

    • Kleiner als das alte Haus der Familie
    • An der Stelle des alten Hauses, das sogar ein wenig schief wurde
    • An der Stelle des Familienhauses, wo Trinker oder Diebe wohnten, wo Leute sehr krank waren oder wegen einer Epidemie starben, wo jemand getötet wurde
    • An der Stelle der Kirche oder anderes heiligen Ortes
    • An Wegen, Kreuzwegen, ungebauten Plätzen, Steinen oder Sümpfen
    • In einem Ort, wo ein Baum wuchs, ein Keller oder ein Stall gab
    • In einem Ort, wo das Regenwasser speicherte
    • An der Stelle des Hauses, das durch einen Blitzschlag zerstört wurde

    Außerdem fragte man die Wahrsagerinnen und alte Leute, um einen guten Ort für das Haus zu finden. Manchmal sollte man Roggen an der Stelle des künftigen Hauses säen: falls Roggen gut wuchs, bedeutete es, daß der Ort gut war.

    Es gab in der Ukraine auch andere Traditionen wie man einen richtigen Platz für das Haus wählte. Man fand einen Ort, wo er das Haus bauen wollte, brachte Steine zu den Ecken des künftigen Hauses und unter den Steinen Versteckte Roggen. Im Mittel des künftigen Hauses stellte man ein Stuhl oder ein Tisch und legte das Kreuz, das Brot, ein wenig Salz und Wasser dorthin. Am nächsten Morgen prüfte man, ob all das unberührt war. Falls alles war gut und es gab mehr Wasser, war das ein gutes Zeichen.

    Auch man verließ ein Wollflöckchen im Geschirr und morgens prüfte, ob es nicht feucht ist. Falls das Woll feucht war, bedeutete das, daß der Ort schlecht für den Bau ist. Alle magischen Riten führten nur die Männer.

    Zeitwahl für die Grundsteinlegung des Wohnhauses

    Das war eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Bau. Den Grundstein zu einem neuen Haus legte man traditionell im Frühling oder Sommer. Den Bau startete man in der Ukraine am Freitag (das gehörte zu Podolje, ein nordwestlicher Teil der Ukraine) und besser bei Vollmond. In anderen Teilen der Ukraine gute Tage waren der Dienstag, der Donnerstag, der Freitag und der Samstag.

    Das Schaltjahr war ein schlechtes Jahr für den Bau. Auch die Feste waren keine passenden Tage für das Bauen. Eine alte Tradition war ein gutes Mittagessen zu kochen und alle Bauarbeiter, Verwandten und Nachbarn einzuladen und zu bewirten. Das Mittagessen fand an der Stelle des künftigen Hauses statt.

Comments

4 comments
  • Mario and Lyuda like this
  • Lukas
    Lukas Das ist ein sehr schöner Artikel. Ich würde mir sehr gerne Dörfer in der Ukraine anschauen.
    August 3, 2016 - 2 like this
  • <i>Deleted Member</i>
    Deleted Member Kein Problem!
    In der Ukraine entwickelt grünen Tourismus. Ich kenne viele Leute, die in grünen Tourismus tätig sind. Ich statten den Nachlass des grünen Tourismus) Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen helfen.
    August 3, 2016 - delete
  • <i>Deleted Member</i>
    Deleted Member "Auch man verließ ein Wollflöckchen im Geschirr und morgens prüfte, ob es nicht feucht ist. Falls das Woll feucht war, bedeutete das, daß der Ort schlecht für den Bau ist." - The information does not correspond to reality. This ceremony is not f...  more
    August 3, 2016 - delete
  • <i>Deleted Member</i>
    Deleted Member "Das Schaltjahr war ein schlechtes Jahr für den Bau." - Exactly! This belief continues to this day.
    August 3, 2016 - delete